Home > News > Neue Wege in der Infarkt- und Krebstherapie

Krebs und Infarkte im Visier

Von Wilke Bitter, Frankfurter Neue Presse, 28.01.2015

Das Frankfurter Zentrum für Zell- und Gentherapie erforscht neue Wege in der Infarkt- und Krebstherapie. Stammzellen spielen hier eine tragende Rolle.

Einblicke in das Herzkatheterlabor

Prof. Andreas Zeiher (l.), Direktor der Med. Klinik III, erläutert Sozialminister Stefan Grüttner das Herzkatheterlabor

Auf der einen Seite hält man es im Zentrum für Zell- und Gentherapie Frankfurt nur zu gern kryptisch mit Ausdrücken wie der „onkogenen Signaltransduktion“, die dann ihrerseits die „Kardiovaskuläre Regeneration“ anschieben soll. Dann aber wird auf einen Schlag plastisch, was die vom hessischen Regierungsprogramm Loewe geförderten Forscher im Team „Cell and Gene Therapy“ (kurz CGT) am Uni-Klinikum Frankfurt wollen: Grundlagenforschung in Sachen Zellen und DNS betreiben, Krebs bekämpfen und die Tödlichkeit von Herzinfarkten vermindern.

Stefan Grüttner (CDU), hessischer Sozial- und Integrationsminister, betont die Bedeutung beständiger Förderung zukunftsträchtiger Ansätze. „Das Programm Loewe zielt darauf ab, Innovationen zu fördern und wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung zu verstetigen“, so Grüttner, „also weitere Forschung auf eine solide Basis stellen und vorantreiben.“ Neben den bis mindestens 2019 eingeplanten Loewe-Geldern erhält das CGT-Zentrum ebenfalls Fördermittel aus der EU: Wie schon 2006 wurde der Forschungsstandort 2012 in den Exzellenz-Cluster „Kardiopulmonäre Systeme“ aufgenommen und mit 30 Millionen Euro gefördert.

Vollständige Regeneration

Spannend wird es wird es im CGT-Team derzeit für Prof. Stefanie Dimmeler, Institutsdirektorin für Kardiovaskuläre Regeneration: Ihre Studie zur Wirkung von Stammzellentherapie bei Herzinfarktpatienten kommt in die dritte und letzte klinische Testphase mit 2000 zu behandelnden Patienten. „Nach jedem Infarkt“, erläutert Dimmeler, „also wenn das Herz wegen einer Durchblutungsstörung kollabiert, vernarbt das Herzmuskelgewebe. Das führt dann zu einer weiteren Schwächung des Organs, weil sich das Gewebe ausweitet. Hier setzen wir mit der Zelltherapie an: Die Stammzellen sollen die Vernarbung verhindern und die vollständige Regeneration des Herzens ermöglichen.“ Die Studie läuft noch bis 2017, Dimmeler hofft nach dem Abschluss auf eine europaweite Zulassung der Therapie im Jahr darauf.

Killerzellen

Eine Abteilung weiter forscht Prof. Peter Bader an einer neuen Therapie für Leukämie-Patienten, bei denen die Chemo-Therapie nicht funktioniert. „Die Behandlung von Leukämie ist nahezu hoffnungslos, wenn die Krebszellen im Blut des Patienten resistent gegen die Chemotherapie werden“, erklärt Bader, Leiter Stammzellentransplantationsabteilung Uni-Klinik Frankfurt. „Mithilfe von Stammzellen von Spendern allerdings können wir Immunzellen, sogenannte T-Killerzellen, herstellen, die dann die mit Leukämie befallenen Blutzellen abtöten – sie vernichten dann die kranken Zellen und dämmen die Ausbreitung von Krebs ein.“ Die modifizierten T-Killerzellen seien bereits als Behandlungsmittel zugelassen worden, so Bader. Wegen der immer individuellen Immunsysteme und Krankheitsbilder sei eine Serienherstellung jedoch ausgeschlossen. Der Killerzellen-Ansatz sei jedoch zukunftsweisend, erklärt Bader. „Die Wirksamkeit der Killerzellen gegen die Tumorzellen im Blut der Patienten wurde schon an einem 14-jährigen Leukämiepatienten beobachtet.“

Weitere Informationen

Logo: Paul-Ehrlich-Institut Logo: Georg Speyer Haus Logo: Goethe Universität Logo: Max-Planck-Institut Logo: DRK Blutspendedienst